Und dann wurde es still...
- Antonietta Schäfer

- 21. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aoste - Santiago de Compostela
Es wurde still hier im Blog und still in mir.
Diesen Blog schreibe ich exakt 6 Monate nach meiner Ankunft in Santiago de Compostela.
Jetzt weiss du, dass ich angekommen bin und meine Wanderung geglückt ist. Gleichzeitig möchte ich dich hier mitnehmen auf meine Zeit zwischen Aoste und Santiago de Compostela.
Mein iPad, welches ich für das Schreiben der Blogs benutzte, habe ich irgendwo nach der Pilgerstadt Le Puy-en-Velay nach Hause geschickt.
Mein Gepäck wurde dadurch noch leichter. Mittlerweile war mein Rucksack um die Hälfte des Gewichts auf 8 kg geschrumpft, und mein Schritttempo nahm zu. In meinem Geist hatte ich eine gewisse gesunde Radikalität entwickelt, welche wusste, dass ich nur in Santiago ankommen werde, wenn ich dranblieb und alles dafür gab. Volle Ausrichtung auf das Wesentliche, was 6-8 Stunden Laufen am Tag beinhaltete. Blogschreiben war nicht mehr auf der Liste der Dinge, die mich ans Ziel bringen. Heute, ein halbes Jahr später, bewundere ich insgeheim meine volle Ausrichtung und das tägliche Dranbleiben.
Zwischen 20-35 km unter die Füsse zu nehmen, hat mich und meinen Körper verändert. Durch die wechselnden Körperwahrnehmungen konnte ich spüren, wie er sich umbaute und sich den neuen Bedingungen anpasste. Meine Knieschmerzen verschwanden, und mein Rücken wurde von Tag zu Tag stärker. Mein Geist war ruhiger, plapperte sanfter und liess sich auch gerne auf einen Ausflug in die Stille verführen. Bestimmt profitierte auch mein Kopf von der guten Verbindung zu meinem Wesen. Es faszinierte mich, wie sich durch das Fortbewegen im Schritttempo und das Draussen-Unterwegssein meine Verbindung zu mir selber immer klarer wurde. Bis ich zum Schluss nach 90 Tagen Laufen und 2200 km in Santiago de Compostela gefühlt ganz auf meinem Weg und in Verbindung mit mir selber angelangt war. Es war dieses Glücksgefühl, ganz verkörpert und im Hier und Jetzt angekommen zu sein.
Für mich Himmel auf Erden.




